Schließung des Ethnographischen Museums Schloss Kittsee

 

Ständige Schausammlung zur Volkskultur Ost- und Südosteuropas

 

noch geöffnet

bis 28. September 2008

Freitag - Sonntag und Feiertage von 10.00 - 16.00 Uhr

 

Sehr geehrte Besucherinnen und Besucher

 

 

 

 

 

Mehr als drei Jahrzehnte war das Ethnographische Museum im Schloss Kittsee der wichtigste Kulturstandort in der Gemeinde Kittsee. Durch seine Ausrichtung auf die Volkskulturen Zentral-, Ost- und Südosteuropas hat es viel zum gegenseitigen Verständnis der in diesem Raum lebenden Menschen beigetragen. Zahllose Veranstaltungen machten das Museum über Kittsee hinaus zu einem Zentrum des kulturellen Lebens im nördlichen Burgenland und zu einem bedeutenden Faktor des Kulturtourismus der Region.

In insgesamt 87 Ausstellungen entfalteten sich seit 1974 Bilder und Lebenswelten von Polen bis Zypern, von Kroatien bis Moldawien, von der Ukraine bis Albanien und nicht zuletzt von den slowakischen und ungarischen Nachbarn. Im Rahmen der Museumsarbeit fanden viele internationale wissenschaftliche und künstlerische Begegnungen statt, wurden 45 Ausstellungskataloge und Bücher veröffentlicht und beliebte Veranstaltungen wie der Burgenländische Advent durchgeführt. 15.000 bis 18.000 Besucherinnen und Besucher fanden so jährlich den Weg nach Kittsee, in das Schloss und in das Museum.

Der Verein Ethnographisches Museum Schloss Kittsee hat all das inhaltlich, organisatorisch und finanziell abgewickelt. Die Mittel stellten Bund (seit 2003 regressiv) und Land (seit Beginn in gleichbleibender Höhe, das heißt nicht valorisiert) zur Verfügung. Der Verein erwirtschaftete dazu in den letzten Jahren ein gutes Drittel seines operativen Budgets selbst. Die Gemeinde unterstützte den Verein im Rahmen der kommunalen Möglichkeiten und stellte einen Mitarbeiter für die Parkpflege bei. Dem Verein oblag nicht nur die Programmgestaltung für Museum und Veranstaltungen sondern auch die vertragliche Verpflichtung zur Erhaltung des denkmalgeschützten Schlosses und Parks, eine unter den gegebenen finanziellen Voraussetzungen von Jahr zu Jahr schwieriger zu erfüllende Aufgabe.

Die Infrastruktur des Schlosses ist veraltet, die Heizung vorsintflutlich, Feuermelde- und Alarmanlagen nicht mehr funktionstüchtig, die Toiletten für größere Veranstaltungen unzureichend, das Parktor lässt sich nicht mehr öffnen, die Sicherheit für Besucher und Mitarbeiter ist nicht mehr gewährleistet. Seit Jahren versucht die Geschäftsführung vergeblich Verbesserungen zu bewirken. Von Juli bis Dezember 2007 hat sich der Verein neuerlich intensiv bemüht, die notwendigen Sanierungsschritte erhoben und eine Neuorientierung vorgeschlagen. Neben den erwähnten baulichen Maßnahmen hätte diese auch Perspektiven für eine inhaltliche Neupositionierung von Schausammlung, Ausstellungs- und Veranstaltungsbetrieb vorgesehen.

Um 2,5 Mill. Euro, denkbar in Teilbeträgen von mehreren Jahren, wäre all dies machbar gewesen, sogar inklusive einer von vielen lange gewünschten Sanierung des Teichbeckens. Für einen zeitgemäßen Museumsbetrieb wären jährlich 576.000 Euro erforderlich gewesen.

Das zuletzt zur Verfügung stehende Jahresbudget für Betrieb und Personal betrug 346.000 Euro. Der jährliche Fehlbetrag, der von Bund, Land und Gemeinde gemeinsam hätte aufgebracht werden müssen, wäre somit 230.000 Euro gewesen – für jeden der drei unterstützenden Körperschaften 76.000 Euro im Jahr.

Es gab mehrere schriftliche Interventionen und Gespräche mit Bund, Land und Gemeinde, die alle negativ verlaufen sind. Kolleginnen und Kollegen aus der nationalen und internationalen Museumswelt erhoben ihre Stimmen für uns – auch das vergeblich. Die Vereins- und Museumsleitung musste zur Kenntnis nehmen, daß kein politischer Wille zur konstruktiven Weiterführung der bislang so erfolgreichen Institution „Ethnographisches Museum Schloss Kittsee“ besteht. Wir bedauern das zutiefst und danken allen Vereinsmitgliedern und Besucherinnen und Besuchern, die uns bis jetzt begleitet und an unserer Arbeit Anteil genommen haben.

Das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien, aus dessen Beständen das Ethnographische Museum Schloss Kittsee vor 34 Jahren entstanden ist, und das dieses Museum seit 1980 unterstützt und mitgetragen hat, ist unter geänderten Bedingungen jederzeit bereit, sich im Schloss Kittsee mit attraktiven Ausstellungen auch weiterhin zu engagieren. Das Museum in der bisherigen Form bleibt noch bis 28. September 2008 geöffnet (Fr – So 10.00 – 16.00 Uhr).

HR Dr. Margot Schindler
Geschäftsführerin/Ethnographisches Museum
Direktorin/Österreichisches Museum für Volkskunde

 

 

 

 

 


   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
         
         
         
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