|

Mit Istrien verbinden
wir heutzutage vor allem gut ausgebaute Zentren für günstigen
Sommertourismus an der Westküste und vielleicht noch luftgetrockneten
Schinken und Rotwein. Doch bereits in den 1880er Jahren entwickelte
sich ein prosperierender Fremdenverkehr zu den Kuranstalten in Abbazia/Opatija
und Portorose/Portoroz auch in Folge des Bahnbaus nach Pola. Die südlichste
Stadt Istriens war ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zum k.u.k. Kriegshafen
bestimmt und folglich umfangreich erweitert worden.

|
 |
 |
 |
Eine Ausstellung
des Österreichischen Museums für Volkskunde Wien und des EthnographischenMuseums
Schloss Kittsee in Zusammenarbeit mit dem Etnografski Muzej Istre in
Pazin
Zur selben Zeit begannen
österreichische Ethnographen, in den Küstenstädten und
im Landesinneren - im Gebiet der Schafhirten, Kleinstbauern und Kohlenbrenner,
des Weinbaus, der Olivenöl- und Salzwirtschaft , der "Kroaten",
"Slowenen", "Italiener" und Tschitschen - zu sammeln
und zu forschen. Die italienischsprachige Bevölkerung und deren
Kultur in den westlichen Küstenstädten sowie die damaligen
landwirtschaftlichen Gegebenheiten lagen jedoch außerhalb des
Blickfeldes der Ethnographen, die sich hauptsächlich mit Trachten
und "Ethnien" beschäftigten. Diese historischen volkskundlichen
Sichtweisen treten in der Ausstellung mit den aktuellen Forschungen
des Etnografski Muzej Istre in einen Dialog. Präsentiert werden
Beispiele historischer und zeitgenössischer "Volkskultur"
vor dem Hintergrund gesellschaftlicher, kultureller und politischer
Entwicklungen.
|
|
Darüber
hinaus begibt sich die Ausstellung auf eine Spurensuche nach dem "österreichischen
Erbe" in Istrien: Die jahrhundertelange Zugehörigkeit Istriens
- oder zumindest eines Teiles davon - zu Österreich beeinflusste
zahlreiche Bereiche des täglichen Lebens auf der Halbinsel und
somit die Sicht der istrianischen Bevölkerung auf Österreich.
In die traditionelle Musik beispielsweise wurden Instrumente wie Akkordeon,
Violine und Klarinette sowie zentraleuropäische Tänze, da
vor allem Walzer, Polka oder "Siebenschritt", aufgenommen.
Heute noch finden sich Instrumente österreichischer Produktion
in Istrien.

|
 |
 |
 |
Auch auf landwirtschaftlich-kulinarischem
Gebiet, das Touristen aus Österreich heute mit Istrien assoziieren
- Wein, Olivenöl, Schinken - beeinflussten österreichische
Innovationen die Produktionsweisen nachhaltig. So erlangten österreichische
Werkzeughersteller einen besonders guten Ruf bei istrianischen Handwerkern.
Und abgesehen von der das Stadtbild von Pula prägenden Architektur
des ehemaligen Militärhafens wirkte sich die Zugehörigkeit
zur k.u.k. Monarchie auch auf das Leben der jungen Männer Istriens
aus, die Militärdienst leisten mussten - diesselben jungen Männer,
die womöglich als Kinder bereits eine der deutschen Schulen Istriens
besucht hatten.
Abschließend
wird der Bogen hin zum heutigen Tourismus und zu aktuellen kulturwissenschaftlichen
Forschungen geschlossen, indem die Symbolik und das Identitätspotential
von "istrianischer" Volkskunst im Sinne einer "Folklorisierung
der Region" gerade in Hinblick auf die Bedeutung der Objekte für
den Touristen oder/und den/die "Istrianer/in" erarbeitet werden.
Eine Zeit lang kamen die Souvenirs für Istrien aus anderen Teilen
Jugoslawiens, nun wird wieder verstärkt auf "authentische
istrianische" Produktion zurückgegriffen bzw. diese bewusst
gefördert. Touristen und Einheimische kaufen gleichermaßen
Souvenirwaren mit Ochsen oder Ziegen, stilisierte runde Steinhütten
oder Objekte in der Form von Istrien; die Motive für den Kauf und
die Bedeutung der Dinge sind jedoch sehr unterschiedlich und werden
hier analysiert.
|